Für Autofahrer

Auto und Motorrad – zwei Welten prallen aufeinander

Wenn man sich den heutigen Straßenverkehr betrachtet, dann kann man es leider immer häufiger beobachten, dass es zwischen Motorrad- und Autofahrern zu Missverständnissen und dadurch zu gefährlichen Situationen kommt. Oft liegt es daran, dass die Autofahrer die Möglichkeiten eines Motorrades über- bzw. unterschätzen. Das Problem dabei ist, dass in solchen Fällen in der Regel der Biker der Dümmere ist und wenn es zum Sturz kommt, er sehr schnell und schwer verletzt werden kann. Dieses Merkblatt soll dazu dienen, Fahranfängern der Klasse 3, aber auch den schon etwas Fortgeschritteneren Hinweise und Tipps zu Verkehrssituationen zu geben, in denen ein Motorrad beteiligt ist.

Allgemeine Fehler

Die schwersten Fehler die gemacht werden und aus denen die meisten Folgefehler und ggf. Unfälle resultieren, sind Fehleinschätzungen von Entfernung und Geschwindigkeit des Motorradfahrers. Daher sollte man, sobald ein Motorrad in der Umgebung auftaucht, dieses genau im Auge behalten, um ein genaues Bild davon zu bekommen, wie weit das Krad entfernt ist und wann es sich in etwa im Einzugsbereich des eigenen Fahrzeuges befindet. Bei Autos ist man an die ungefähren Ausmaße des Fahrzeuges gewöhnt, so dass man Entfernung und Geschwindigkeit leichter einschätzen kann. Anders bei Motorrädern: Durch die verschiedenen Bauarten wirken sie auf die Entfernung größer oder kleiner, so dass es dann zu Fehleinschätzungen kommt. Im Zweifelsfalle lieber stehen bleiben und warten, bis das Krad vorbei ist.

Kurven

In Kurven kann es durch Kleinigkeiten für den Motorradfahrer ganz besonders heikel werden. Plötzlich auftretende Hindernisse, die eine Notbremsung erfordern, sind für Autofahrer eher weniger ein Problem; er tritt einfach voll auf die Bremse und kann auch kurz ein Blockieren der Räder in Kauf nehmen, ohne das dies gleich schwerwiegende Folgen nach sich zieht. Nicht so der Motorradfahrer. Ein blockierendes Rad in der Kurve, und der Sturz ist quasi vorprogrammiert. Das liegt daran, dass der Reifen in der Kurve zusätzlich zu den Seitenführungskräften, plötzlich auch Bremskräfte verarbeiten muss. Befindet sich das Motorrad bereits in grosser Schräglage, kann in dieser Situation die Haftung der Reifen sehr schnell verloren gehen. Oder aber es tritt ein sehr grosses Aufstellmoment auf, der die Maschine aufrichtet und aus der Kurve driften lässt, wenn nicht noch rechtzeitig die Bremsen gelöst werden können.Ähnlich verhält es sich, wenn die Fahrbahn verschmutzt ist. Es treten zwar zu den Seitenführungskräften keine zusätzlichen Kräfte auf, jedoch vermindert wie auch beim Auto der Schmutz die Reifenhaftung.

Auch das Thema Abbiegen fällt unter Kurven. Bei trockenem Wetter gibt es dabei kaum Probleme, solange der Fahrbahnbelag sich nicht grundlegend verändert. Hier sollte aufgepasst werden, wenn der Biker in einen Seitenweg einbiegen will, der keine feste Fahrbahn hat, wie beispielsweise ein Feldweg, wo mit einem losen Fahrbahnbelag zu rechnen ist.

Entgegen allen Erwartungen ist ein Motorrad nicht so wendig, wie man vielleicht glauben will. Nur bei geringen Geschwindigkeiten kann ein Motorrad seine relativ geringen Ausmasse zu seinem Vorteil nutzen. Schon im mittleren Geschwindigkeitsbereich benötigt ein Motorrad mehr Platz zum Ausweichen als ein Auto.

Unterschiedliche Fahrbahnbeläge

Auch ein Wechsel des Fahrbahnbelages kann wie bei Autos einen Haftungsverlust bedeuten (z.B. Kopfsteinpflaster). Wenn Motorradfahrer in solchen Situationen langsamer fahren, als man es vielleicht als Autofahrer erwarten würde, hat es keinen Sinn dem Biker auf den Pelz zu rücken. In solchen Fällen ist immer eine gute Portion Abstand zum Motorrad angesagt.

Bei Nässe muss der Biker zusätzlich besonders auf Fahrbahnmarkierungen achten, die in diesem Zustand wie Schmierseife sind und recht unangenehm werden können.

Bremsen

Es gibt verscheidene Meinungen darüber, ob ein Motorrad schneller bremsen kann als ein Auto. Das hängt natürlich auch von verschiedenen Faktoren ab, z.B. von Starssenzustand und den Fähigkeiten des Motorradfahrers. Grundsätzlich sollte man als Autofahrer damit rechnen, dass ein Motorrad schneller zum Stehen kommt, als ein Auto. Wenn man sich darauf einstellt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Autobahn

Es ist auf unseren Autobahnen ja inzwischen Mode geworden, langsamere Fahrzeuge auf der linken Spur in einem Masse zu bedrängen, dass es schon nicht mehr schön ist. Das gilt auch für Motorräder, die mit einer begrenzten PS-Zahl zu kämpfen haben. Sollte ein solcher Motorradfahrer nun gezwungen sein, allein durch Gaswegnahme kurz zu verzögern, kann es unter widrigen Umständen schon zu einer Berührung zwischen ihm und dem nachfolgenden Pkw kommen. Ein Sturz wäre nicht mehr zu verhindern, die Folgen wären verheerend. Es ist auch immer wieder zu beobachten, dass Autofahrer unbedacht von der rechten auf die linke Spur wechseln, was ein rasch herannahendes Motorrad in grosse Bedrängnis bringen kann.

Sonstiges

Dann gibt es da noch ein paar Kleinigkeiten, die einem Motorradfahrer das Leben schwer und auch gefährlicher machen. Der viel zitierte und doch vergessene Schulterblick. Die meisten Autofahrer verlassen sich darauf, daß ein Blick in den Außenspiegel ausreichend ist, um die Verkehrssituation seitlich von ihm zu erfasssen. Wie wir alle wissen, ist dem nicht so: Der tote Winkel läßt grüßen und wirkt sich bei einer Begegnung Auto/Motorrad noch deutlicher aus. Von daher sollte jeder Autofahrer keinesfalls auf den Schulterblick (also nach hinten links) verzichten. Es kann auch für ihn gesünder sein, denn schnell ist auch ein anderer PKW oder LKW im toten Winkel, und wer möchte schon einen Crash mit einem LKW haben. Es kommt leider immer wieder vor, dass einige Leute glauben, dass der serienmässig eingebaute Aschenbecher in ihren Fahrzeug dazu gedacht ist, in möglichst zu schonen und ja sauber zu halten. Dafür fliegt dann die Kippe mal eben aus dem Fenster. Nicht nur, dass das nicht gerade umweltfreundlich ist, zum anderem kann es schwerwiegende Folgen haben. Ein nachfolgender Biker könnte diese Kippe ins Gesicht bekommen, wo es zu Verletzungen kommen kann. Oder nach Einbruch der Dunkelheit kann man sich schon erschrecken, wenn da plötzlich etwas Glühendes auf einen zugeflogen kommt.

Fazit

Egal wo es passiert, ein Motorradfahrer kann sich in Extremsituationen höchstens ein blockierendes Hinterrad erlauben, und auch das nur auf gerader Strecke. Blockiert das Vorderrad, ist ein Sturz nur sehr selten zu verhindern. Es ist also dringend erforderlich, dass Autofahrer lieber etwas mehr Abstand halten und rücksichtsvoller auf Biker reagieren. Wenn die Autofahrer obigen Text beherzigen, können Biker und Autos viel besser miteinander auskommen.

Ich weiss, dass dieser Text eine recht einseitige Sache ist. Ich weiss auch,dass es unter den Motorradfahrern schwarze Schafe gibt, die meinen, einen Schutzengel gepachtet zu haben. Aber das ist die deutliche Minderheit, dienur leider immer auffällt. Tatsache ist, ein Motorradfaher ist immer der Schwächere wenn es eng wird oder es sogar zum Crash kommt.

Danksagung

Danken möchte ich an dieser Stelle den Motorrad- und Autofahrern, die mir bei der Erstellung dieses Textes mit Rat und Tat geholfen haben.