Ein wenig Ostluft schnuppern
Anreise Obervichtach 2001
Im Folgenden möchte ich mal meine Anreise von Melsdorf (Kiel) in meinen Urlaubsort Obervichtach schildern.
Am 3.6. setzte ich mich also morgens so gegen 9 auf mein Mopped, daß mit einem niegelnagelneuen Motor (siehe hier) ausgerüstet war. Daher kam auch eine Anreise über die Autobahn nicht in Frage, mal davon abgesehen, daß das eh recht öde ist. Ich habe mich darauf eingestellt, das ganze mit einer Zwischenübernachtung zu machen, da die Strecke (ca. 750 Kilometer) über die Landstrasse doch nicht ganz ohne ist.
Wettermäßig war schon von vornherein klar, daß es naß werden würde. Wurde es auch.Irgendwo auf der B404 zwischen Kiel und Bad Segeberg fing es dann an zu tröpfeln, was dann in leichten Dauerregen überging. Zu dem Zeitpunkt ging ich erst recht davon aus, daß ich eine Übernachtung einlegen würde.
Ich folgte also der B404 von Kiel über Bad Segeberg, Geesthacht und wechselte dann auf die B4. Bis dahin lief es eigentlich ganz gut, dann wurde der Verkehr hinter Lüneburg dichter und direkt hinter Uelzen hatte es einen Verkehrsunfall gegeben, der nicht ganz ohne war, an dem es sich staute. Endlich daran vorbei gings dann über „die Dörfer“ nach Braunschweig. Dort gab es dann die erste Tankpause, da ich auch nicht komplett vollgetankt losgefahren war.
Von dort aus ging es dann weiter Richtung Süden, gen Harz. Das Wetter wurde immer ungemütlicher und als ich dann durch Bad Harzburg düste wurde mir erst richtig bewußt, daß die Strecke über den Torfhaus führen würde. Also immer weiter nach oben. Und Kilometer für Kilometer wurde es kühler. Endlich Torfhaus, jetzt Gas, ab Richtung Tal, wo es dann auch deutlich angenehmer, weil wärmer wurde. Mit dem Harz hatte auch die B4 gelernt, das es auch Kurven gibt. Natürlich nicht so wie auf den kleinen Landstrassen, aber immerhin besser als gar nichts.
Bis hier her war die „Navigation“ ja ganz einfach, immer stur auf der B4 bleiben. Nun ging es aber Kurs Südost, die neuen Länder warteten, zumindest ein kleiner Ausschnitt daraus. Und dieser Ausschnitt hat mir trotz Regen sehr gut gefallen. Dank Garmin war auch die weitere Navigation recht einfach, denn selbst in den Städten hatte ich mir im Garmin Wegepunkte gesetzt, um den richtigen Abzweig zu finden. Und das trotz Baustellen. Fand ich schon gut.
Obwohl ich ja fast immer nur den Bundesstrassen oder größeren Landstrassen gefolgt bin, hatte die Strecke einen schönen ländlichen Charakter. Von einer Ortschaft zur nächsten merkte man plötzlich, man hatte die leider immer noch existierende unsichtbare Grenze von West nach Ost überschritten. Die Trabbis wurden plötzlich mehr, die Straßen in den Ortsdurchfahrten hatten teilweise keinen Bundesstrassenstandard mehr, wobei man sagen muß, daß man hier Schlaglöcher suchen mußte, wenn man welche finden wollte. Waren alle gut zu fahren.
Hier tat ich auch etwas, was normalerweise mit drei Punkten und einem Monat Fahrverbot geahndet wird: Ich überfuhr eine rote Ampel! Okokok, da war so ein kleiner grüner Blechpfeil an der Ampel für die Rechtsabbieger. Aber seltsam war das schon, mit einem guten Gewissen kurz an der Ampel zu stoppen und dann doch abbiegen zu dürfen. Warum zum Henker hat sich dieser Pfeil im Westen der Republik nicht durchgesetzt? Super Idee.
Teilweise ging es durch wunderschöne Dörfer, wo Fachwerkhäuser wieder in Ordnung gebracht wurden und man viel Spaß hatte mal rechts und links der Straße einen Blick zu riskieren.
Irgendwann hatte ich die Strecke von Erfurt über Rudolstadt nach Saalfeld hinter mir. Hier ging es dann von der B85 (wie gesagt, mit einer „typischen westlichen“ Bundesstrasse hatte das nicht mehr wirklich etwas zu tun, eher größere, schön zu fahrende Landstrasen, auf die B90. Ähm, also ich habe nach einigen Kilometern dann doch langsam an der Richtigkeit der GPS-Navigation gezweifelt. Was sich mir darbot war nicht nur eine Nicht-Bundestrasse, sondern es erinnerte mich eher an so einige Wege in der Pfalz, die ich mit unserem BikeNet-Tourguide Hartmut Obermann gefahren bin. Obwohl, verglichen mit dieser Strecke waren das dann schon fast Autobahnen.
Was sich mir präsentierte war eine Straße, vielmehr ein breiter Weg der mal eine Teerdecke erhalten hat, und zwar eine aus übelstem Material. Das sah bei Nässe nicht nur sehr glatt aus, wie mir eine Testbremsung bestätigte war es auch sehr rutschig, also erstmal vorsichtig und langsam gemacht. Immer noch im Zweifel richtig zu sein beharrte der Garmin darauf mir erzählen zu wollen, dies sei die B90. Nun, nach einigen Kilometern stand in der Tat ein kleines gelbes Schild am Straßenrand, das die Zahl 90 trug. Es wirkte jedoch etwas verloren und deplaziert. Aber ich war richtig und trotz des etwas bescheidenen Belages war es eine sehr schöne Ecke, die ich mit Sicherheit wieder besuchen werde, dann allerdings hoffentlich bei Trockenheit.
Ich traf dann irgendwann auf die A93 bei Hof. Ich war an diesem Tag bereits deutlich weiter gekommen als gedacht. Und ich machte mir Gedanken darüber, an diesem Tag noch bis nach Obervichtach zu fahren. Allerdings war mir auch klar, daß es sehr spät werden würde, folgte ich weiter den Land- und Bundesstrassen. So entschied ich mich dann meinen Wirt anzurufen und meine Anreise für den Abend noch anzukündigen. Um das nicht unnötig in die Länge zu ziehen und weil ich mich schon auf ein Hefeweizen freute, legte ich den Rest der Strecke ab Hof auf der A93 bei gesitteten 120 zurück und traf dann gegen 19:30 in Obervichtach/Lind ein.
Fazit: Ich habe an diesem Tag mehreres gelernt. Zum einen ist es mit der richtigen Ausrüstung und einem geeigneten Motorrad nicht so tragisch bei Regen unterwegs zu sein, sofern es nicht zu sehr regnet und die Strassen in einem Zustand sind, daß man nicht die Bitumenflecken in Schlangenlinien umfahren muß.
Zweitens war dies mein erster Abstecher in die neuen Länder, wo man halt nicht über die Autobahn gefahren ist, sondern mal auch etwas vom Land gesehen hat, wenn man von unserem Fliterwochenende in Stralsund mal absieht. Es lohnt sich meiner Meinung nach mal unseren „neuen“ Nachbarn einen Besuch abzustatten.
Drittens hat mich das Motorrad wiederum begeistert, wie fit ich nach diesen zehneinhalb Stunden abgestiegen bin. Möge man Moppeds dieser Größe als rollende Wohnzimmer bezeichnen, aber ich weiß jetzt, warum ich nichts anderes mehr haben will. Nett auch, wenn man auf einer solchen Strecke nur zweimal tanken muß.
Viertens hat sich der Garmin wieder bewährt. Dank der eingebauten Karte wußte ich immer wo ich war und konnte die mitgenommenen Karten im Topcase lassen. Thanks Garmin.
Summasumarum waren das dann 740 Kilometer in knapp zehneinhalb Stunden. Ich denke für diese Strecke über Land ein brauchbarer Schnitt, der zum einen das Vorankommen sicherte, zum anderen aber auch Zeit ließ um mal etwas von der Landschaft mit zu bekommen.